Der Abschwung ins Digi-Tal

Der Abschwung ins Digi-Tal
Man kann mir sicher nicht vorwerfen, dass mich das Thema digitale Betriebsarten im Amateurfunk nicht interessieren würde.
Meine Bake DI2AN lief seit Einführung der Betriebsart OPERA überwiegend digital – auf Mittelwelle.
In HamDRM war ich auf Kurzwelle QRV – aber da war ich wohl alleine.
Abgesehen von PSK31, was mir persönlich nicht so liegt, und SDR, was ebenfalls nicht mein Ding ist, scheint das Thema nur eine kleine Anzahl von Funkamateuren in DL zu interessieren.
Das war einmal anders: Packet-Radio war eine der wichtigen Betriebsarten. Ich selbst habe die Betriebsart dank des damals sehr guten Einstiegs bei DB0WST wirklich ausreizen können. Nicht nur mit AX.25 selbst, sondern auch mit TCP/IP (HAMweb), APRS und Sprache via AX.25 habe ich experimentiert. Nach dem von Einzelnen im VFDB ausgelösten Wegfall vieler Relaisstandorte (so auch DB0WST) war kein ausreichender Datendurchsatz mehr möglich, so dass ich mich schweren Herzens aus der Betriebsart verabschiedet habe.
Meine Ideen für ein am Freifunk-Netz orientiertes dynamisches TCP/IP-Netz für Funkamateure wurde zuvor als nicht machbar abgelehnt. Als man Jahre später mit dem HAMnet begann, waren die Standorte weg, das breite Interesse an Packet-Radio – und damit an einer Nachfolgetechnologie – versiegt. Dass man nach dieser Vorgeschichte jemals zu einem flächendeckenden HAMnet ohne Tunnelung via Internet kommen wird, bezweifle ich.
Und dann kamen APCO25, D-Star und DMR – drei untereinander nicht kompatible Systeme, die mit proprietären, kommerziell hergestellten Relais und Endgeräten arbeiten. Wer als Funkamateur nur mit jeweils einem Gerät QRV sein möchte, muss pro Betriebsart zwischen 500 und 800 EUR auf den Tisch legen. Dass diese Geräte – von ihren digitalen Möglichkeiten abgesehen – keineswegs Spitzenklasse sind, ist bei den Preisen auch ein Problem. Und die Preise bleiben hoch, weil es z.B. D-Star nur von ICOM gibt. Selbstbau ist nur sehr eingeschränkt möglich.
Wo wären wir heute, wenn Geld und Energie statt in Digital-Voice in ein multimediales Breitband-Netz für den Amateurfunk investiert worden wäre?
Dass sich zumindest APCO25 und DMR mit wenig Rechnerleistung mit einem kleinen Programm dekodieren lassen, kann man bei YouTube sehen. Motorola mag aber für Experimente in der Richtung keine Freigabe erteilen.
Das zeigt aber: Softwaregestütze HAM-Lösungen wären technisch möglich, scheitern aber an der Lizenzpolitik der Hersteller. Die ist diesen nicht einmal vorzuwerfen, denn all diese Digital-Voice-Standards entstammen dem kommerziellen und BOS-Funk und sind nicht als Amateurfunkstandards gedacht, dementsprechend nicht offen.
Der Vorwurf geht einzig und allein an einen Verband, der so tut, als seine diese kommerziellen Systeme die Zukunft des Amateurfunks. Sie sind es nicht.
In Sichtweite meines QTH liegt der Ölberg. Dort befinden sich neben einem 70cm-FM-Relais jeweils eines für APCO25, D-Star und DMR, daneben ein 2m-D-Star-Relais. Dass hier gleich fünf Frequenzpaare belegt werden, ist im 70cm-Band (vier von fünf) vielleicht zu verschmerzen – wenn man hinnimmt, dass 70cm-ATV totgeredet worden ist.
Aber das Nebeneinander fünf untereinander nicht kompatibler Relaisstandards verschlingt auch Standort-Ressourcen – z.B. zuungunsten von ATV (wobei der Ölberg durch seine Nähe zum ATV-Relais Drachenfels für eine Verlinkung dorthin prädestiniert wäre) oder HAMnet-User-Einstiegen.
Wenn jetzt auch noch zum Angriff auf die analogen Repeater geblasen wird, dann ist der Zusammenhang unübersehbar. CTCSS soll den Betrieb von Digital und Analog auf einem Frequenzpaar ermöglichen.
CTCSS hat durchaus Vorteile, etwa bei der Ausblendung von Störern. Aber warum sich diese relativ alte und einfache Technologie nicht durchgesetzt hat, liegt auf der Hand. Nicht jedes Gerät kann CTCSS. Und Scannen nach Relais ist nicht mehr möglich. Eine Blind-Search-Funktion (also Scannen nicht nur nach Frequenzen, sondern auch nach CTCSS-Untertönen) ist nicht möglich, da sonst CTCSS im Dauerbetrieb ausgesendet werden müsste. Dafür sind weder Relais noch Endgeräte ausgerüstet.
Wenn also DL1YBL im Namen des DARC vortragen darf, die Zukunft sei digital und es werde in absehbarer Zeit keine analogen Repeater mehr geben, dann ist klar, dass dies nicht etwa die Rettung der Analogen, sondern deren beschleunigtes Ende einleiten soll.
Dass hier etwas nicht stimmt, merkt man schnell: DL1YBL ist Relaisverantwortlicher für die Großzahl der Digital-Voice-Repeater. Der OM ist Referatsleiter des DARC. Und wer übernimmt die nicht unerheblichen Kosten für so viele Repeater und die Verbreitung der digitalen Heilslehre? Was macht DL1YBL hauptberuflich, dass er daneben seine Sicht der Dinge sogar international (z.B. in Südafrika) bei Vorträgen verbreiten kann? Wer hat hier welche Interessen, und haben die wirklich was mit unserem Hobby zu tun?
Schon DATV war keine reine Amateurfunk-Entwicklung. Die aktuellen Digital-Voice-Standards pressen Funkamateure aber beispiellos in die Hand der Industrie – mit engagierter Unterstützung des DARC, allen voran DL1YBL.
Ein offener DV-Standard, z.B. auf der Basis von HAMnet als Vernetzung und einem 9k6-fähigen Funkgerät (was empfangsseitig ja funktioniert, s.o.) als Endgerät – da wär‘ ich dabei. Und der dürfte auch ein paar Euro kosten. Aber so sehe ich eine unheilvolle Tendenz . . .
Ich bin nicht gegen Digital-Voice-Repeater, das dürfte deutlich geworden sein. Ich bin auch nicht gegen den Direktbetrieb in Digital-Voice. Jede Betriebsart hat ihre Berechtigung, und bei Konflikten (z.B. bei angestammten OV-Frequenzen) muss man sich zusammenraufen. Aber hier steht eine Macht – DARC und Industrie – zum Nutzen eines relativ kleinen Kreises von Funkamateuren. Und dabei passieren Dinge, die nicht nachvollziehbar sind.
Z.B. auch, dass der im D-Star-Protokoll vorgehene Datenport zwar in der Lage wäre, PR zu substituieren, aber gar nicht genutzt wird. Was habe ich beim Portabelbetrieb schon über UMTS geflucht, wo ich früher einfach mit PR gearbeitet habe – und heute vielleicht mit HAMnet, wenn nicht alle verfügbaren Standorte nach und nach mit Digital-Voice-Repeatern belegt würden.
Und je mehr Verbreitung die kommerziellen Digital-Voice Standards finden, desto unwahrscheinlich wird die Einführung eines offenen Standards – eine vertane Chance, ein Sündenfall !!
Also: Cui bono? Und wer bezahlt den ganzen Quatsch?

DI2AN
Die Versuchsfunkgenehmigung für DI2AN lief Ende April 2012 aus und wurde nach zweijähriger Betriebszeit nicht mehr neu beantragt.
Mit <1W ERP in QRSS und OPERA Empfangsberichte aus ganz Europa bis nach Nordfinnland, das hat Spaß gemacht. Jetzt sind andere Experimente wieder wichtiger geworden.
Zudem gingen bereits nach der Freigabe der Mittelwelle in PA die Rapporte gegen Null. Nach der überraschend schnellen Umsetzung des jüngsten WRC-Beschlusses für 472 bis 479 kHz im Amateurfunk, auch in DL, erschien der Betrieb auf den für DI-Versuchsfunk zugewiesenen Frequenzen bei 505kHz nicht mehr sinnvoll.
Leider ist genau das eingetreten, was ich befüchtet hatte: Die Klasse E blieb hier außen vor. Ich hatte zuvor auf dieser Website geschrieben:
>>Meine Wette: Ich trete sofort wieder in den DARC ein und bleibe dort mindestens drei Jahre, wenn von dort ein erfolgreicher – oder wenigstens überhaupt ein – Vorstoß zur Freigabe von 472 bis 479 kHz für alle Funkamateure in DL erfolgt.
Ich betone: alle! Die Klasse E hier außenvorzulassen wäre nicht nachvollziehbar! Wenn es möglich ist, für Jedermann im Bereich 505 kHz Versuchsfunkgenehmigungen mit 9W ERP zu erteilen, ist nicht einzusehen, warum die Inhaber der deutschen Novice-Lizenz nicht mit 5W ERP 30kHz tiefer senden dürfen.
Eine ähnliche Fragestellung habe ich seinerzeit mit delta-oscar.de zum Thema (damals) Klasse 3 und Betrieb im Bereich oberhalb 250 THz aufgeworfen. Bekanntermaßen wurde das neue Frequenzband dann allen Lizenzklassen zugewiesen. Ab und an siegt die Vernunft.<<
Bekanntermaßen kam es dann wie erwartet. Von Seiten der Zuständigen beim DARC kamen auf Nachfrage Antworten, die man nur als dämlich bezeichnen kann.

ATV-Versuchssendungen auf 70cm (analog)
sind eingestellt. Es gab einfach keine Empfangsbestätigungen, obwohl das Signal an vielen Stellen im Köln-Bonner Raum mit geringem Aufwand empfangbar war.
Offenbar ist das 70cm-Band (das ursprünglich nur wegen ATV in der Bandbreite zugeteilt wurde) als ATV-Band äußerst erfolgreich totgeredet worden.
DO1KHS QSL
Quelle: http://www.qsl.net/do1khs/

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