Ein unbeantworteter Brief von DF1QH vom 16.04.2012

Bereits im April wurde zu dem oben genannten Thema nachgehakt.
Nach unserer Erkenntnis bis Heute (28.08.2012) unbeantwortet.

die IARU plant für Ende des Jahres 2014 die umfassende Einführung von CTCSS/SA-Tönen auf der Eingabe der Relaisfrequenzen. Damit sollen schädliche Beeinflussungen vermieden werden, wenn es zum geplanten Mischbetrieb zwischen analogen und digitalen Relaisfunkstellen kommt. Die Umstellung soll nach Absprache mit der BNetzA lediglich freiwillig erfolgen, und das ist auch gut so, denn wir werden unsere Relais nicht verriegeln.

Die Verriegelung der Relaiseingaben löst nämlich keine Probleme, sie verdeckt sie nur, denn zusätzliches Frequenzspektrum wird nicht geschaffen. Eine digitale Aussendung auf einer analogen Eingabe würde vielleicht nicht sofort übertragen, sie würde aber die Erreichbarkeit des Relais beeinträchtigen und wäre spätestens dann hörbar, wenn das Relais genutzt wird. Eine Verriegelung hätte eine effektive Verschlechterung der Relaisempfindlichkeit zur Folge. Die Relais würden immer unattraktiver und hätten immer weniger Aktivität aufzuweisen. Relais-DX bei Inversionsbedingungen fände nicht mehr statt. Immer mehr Relais, ob digital oder analog, schaffen immer mehr Probleme und bringen wenig Nutzen.

 

Wenn dir das Tagesgeschäft mal etwas Zeit lässt, lies doch bitte mal unsere Ausführungen. Als langjährige Betreiber der Relaiskoppelung DB0SUN, DB0WUR und DB0WAS haben Rico Schirrmacher, DG8OBS, und ich unseren Blick auf den Amateurfunk geschärft und auf Probleme gerichtet, die den Amateurfunk generell und den Relaisfunk speziell betreffen. Bei einer Veranstaltung auf der Wasserkuppe haben wir mit interessierten Teilnehmern unsere Fragen diskutiert. Die Antworten, die wir bekamen, haben wir zusammengetragen und in folgenden Text gebracht.  Für eine Antwort, mündlich oder schriftlich, wären wir sehr dankbar.

I)       Prinzipien

 a) Kommunikation geht über Funk. Das bedeutet, dass die von Funkamateuren überbrückten Distanzen drahtlos zu überwinden sind. Wir sind unabhängig vom Internet oder von Telefonleitungen, was auch mit Blick auf Notsituationen den entscheidenden Unterschied ausmachen kann. Wie sollten wir denn auch sonst gegenüber begehrlich auf unsere Frequenzen schauenden Behörden oder Mobilfunkanbietern argumentieren?

b) Technik muss auch von Amateuren beherrschbar und reparierbar bleiben. Natürlich muss man nicht wie in den Anfangszeiten der drahtlosen Kommunikation alles selber bauen, aber wir sollten die von uns genutzte Technik soweit durchschauen, dass wir jederzeit technische Probleme in den Griff bekommen und Komponenten optimieren können.

 c) Funkwellen kennen keine Grenzen; Funkamateure sollten die Grenzen ihrer Region nicht als Hindernis im Kopf haben. Kommunikation über alle Grenzen hinweg hat von jeher den Reiz des Amateurfunks ausgemacht.

II)        Faszination der Wellenausbreitung

 a) Keiner ist schneller als wir, denn wir übermitteln unsere Information mit Lichtgeschwindigkeit. Unsere Kommunikation erfolgt also wirklich in Echtzeit. Manchmal kommt ein Signal über verschiedene Wege zum Empfänger. Fading und verzerrte Wiedergabe sind die Folge. Aber wen stört es? Ein geschultes Ohr und Routine in der Betriebsabwicklung gleichen diese Einschränkungen wieder aus. Physikalische Phänomene dieser Art machen unser Hobby nur noch reizvoller.

b) Nicht nur Kurzwellen, auch Ultrakurzwellen breiten sich nach faszinierenden Gesetzmäßigkeiten aus. So beobachten wir Absorption, Reflektion, Diffraktion und troposphärische Phänomene, die zum Beispiel bei Inversionsbedingungen zu gigantischen Reichweiten führen.

III)      Es geht auch um Inhalte

a) Zur Technik, die ich durchschaue, kann ich mich äußern. Unsere Funkgespräche können also auch technische Themen beinhalten, denn mit Technik kennen sich Funkamateure per Definition ja aus. Dabei sollten wir uns nur zu Themen äußern, zu denen wir etwas zu sagen haben.

b) Anders als beim Telefonieren und beim BOS-Funk stehen Inhalte nicht immer im Vordergrund. Bei uns geht es also auch um Wellenausbreitung und um das Ausprobieren verschiedener technischer Kommunikationswege.

c) Inhalte sollten immer so beschaffen sein, dass sie ohne Anstoß zu erregen, verbreitet werden können, denn unsere Aussendungen sind öffentlich. Taktgefühl und Geradlinigkeit sind hier gefragt.

d) Soziale Kompetenz und kommunikative Kompetenz sollten Voraussetzung für die Teilnahme am Amateurfunkdienst seien, lassen sich aber im Amateurfunk auch trainieren. Eigentlich ein gutes Argument, wenn es darum geht, Gründe dafür zu nennen, weshalb man sich mit Amateurfunk sehr sinnvoll beschäftigen kann.

IV)      Aktivität ist wichtig

Aktivität ist wünschenswert und notwendig. Unser Hobby lässt sich am besten gemeinsam mit anderen ausüben. Vom Wesen her ist der Amateurfunk ein Hobby, das sich mit technischen Kommunikationswegen aber auch mit Gesprächsinhalten auseinandersetzt. Selbstgespräche führen auf die Dauer zur Langeweile.

V)        Wie schaffe ich Aktivität auf UKW?

a) Relaisfunkstellen sind wichtig. Das kann jeder bestätigen, der einmal versucht hat, mit einem kleinen Handfunkgerät auf einer Direktfrequenz viel weiter als bis zur nächsten Ecke zu funken.

b) Relais sollten gut funktionieren und für Funkamateure interessant sein. Dazu gehört ein vernünftiger Einzugsbereich, gute Audioqualität und hinreichend viele Nutzer, so dass man immer wieder Gelegenheit zu interessanten Gesprächen bekommt und vielleicht auch mal nur interessiert zuhören kann.

c) Ein Verantwortlicher für ein Relais sollte also sein Relais nicht nur in technischer Hinsicht betreuen. Er steht auch in der Verantwortung, wenn es um Gesprächskultur und Betriebsabwicklung geht. Beratende Gespräche mit einzelnen Nutzern und das Erstellen von Verhaltensregeln im Umgang mit Störern zählen zu den Aufgaben eines Verantwortlichen.

d) Die Anzahl der Relais ins Unermessliche zu steigern, bewirkt bei der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft eher einen Rückgang der Gesamtaktivität. Kirchturmrelais verbrauchen kostbares Frequenzspektrum, schaffen aber keinen Nutzen, denn binnen kürzester Zeit kennt sich der kleine Nutzerkreis so gut, dass es nicht mehr viel zu sagen gibt und die Aktivität fast ganz zum Erliegen kommt. Dem Interesse des Einzelnen, sich mit dem Betrieb einer Relaisfunkstelle zu verwirklichen, steht das Interesse der Nutzergemeinde entgegen. Unsere Relaisnutzer wünschen laut modulierte und gut klingende Relais, die frei sind von Gleichkanalstörungen und die einen hinreichend großen Einzugsbereich aufweisen. Nur so bekommen CQ-rufende Stationen in aller Regel auch eine Antwort. Mit Blick auf den Nutzen, die gute funktionierende Relais schaffen, sollte das Interesse des Einzelnen geringer gewichtet werden als das Interesse einer großen Nutzergemeinde.

e) Die Behörde sollte also nur noch dann Relais genehmigen, wenn zu erwarten ist, dass das zu genehmigende Relais Nutzen schafft im Sinne einer Steigerung der Amateurfunkaktivität. Lieber weniger Relais, die aber gut funktionieren, als eine Vielzahl von kaum genutzten Relais, die nur Frequenzen blockieren!

f) Unser Club, der sich die Förderung von Nachwuchs als Ziel gesetzt hat, wäre gut beraten, Relaisfunkstellen zu unterstützen, denn die meisten Funkamateure machen ihre ersten Versuche im Bereich des Relaisfunks. Und das aus gutem Grund, denn mit geringem technischem Aufwand auf der Nutzerseite können beachtliche Entfernungen überbrückt werden. Gleichzeitig erwirbt man Routine bei der Betriebsabwicklung, die zum Beispiel auf der Kurzwelle von Nutzen sein kann.

VI)      Wie fördere ich Nachwuchs für unser Hobby?

a) Wer selber keine Begeisterung für unser Hobby verspürt, kann keine Begeisterung vermitteln. Es gilt also, die eigene Faszination zu erhalten und weiterzugeben. Letztlich muss jeder für sich entscheiden, welche Sparten unseres Hobbys ihn faszinieren. Wahrscheinlich aber wird das uns Begeisternde im Zusammenhang stehen mit drahtloser Kommunikation, sich also an den Ursprüngen unseres Hobbys orientieren.

b) Interesse für unser Hobby zu wecken, heißt also, Interesse für die Grundlagen der drahtlosen Kommunikation zu wecken. Spezialisieren kann man sich erst dann, wenn man die Grundlagen beherrscht.

c) Bei Lehrgängen gilt es also, nicht nur mit dem Fragenkatalog zu pauken sondern echtes Verständnis zumindest für die Grundlagen der Funktechnik und der Betriebstechnik zu vermitteln. Wer im Rahmen einer Prüfung wirkliches Verständnis unter Beweis gestellt hat, hat gezeigt, dass er Willens und in der Lage ist, Regeln zu verstehen und sich an Regeln zu halten. Wer wirklich versteht, was er tut, hat langfristig Freude am Hobby. Nachhaltigkeit in diesem Sinne setzt einen Kontrapunkt zu unserer kurzlebigen Spaßgesellschaft.

d) Dazu muss die Zusammenarbeit mit Schulen professionalisiert werden und Unterrichtsmodule sind zu entwickeln, die kooperativen Lern- und Lehrmethoden Rechnung tragen. Das kann ein einzelner Ortsverband nicht leisten. Zusammenarbeit ist gefragt, die vom Club koordiniert werden muss.

e) Wir sollten bei Veranstaltungen präsent sein und zeigen, dass Amateurfunk Aufgaben der Kommunikation kompetent übernehmen kann. Dabei sind Kooperationsbereitschaft, Fantasie und Engagement gefragt. Hamspirit, der sich in Kooperationsbereitschaft und Hilfsbereitschaft im Alltag dokumentiert, kann für Außenstehende ein gutes Argument sein, sich für Amateurfunk zu interessieren.

Kontakt zu DF1QH über die Homepage von DB0WAS

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